Zwei Ansichten: Das Hotel Berolina an der Karl-Marx-Allee in Berlin (1966, 1968)

Zwei Ansichtskarten: (oben) Berlin - Hauptstadt der DDR - Blick zur Karl-Marx-Allee mit Hotel "Berolina", Kino International und Mokka-Milch- und Eisbar. VEB BILD UND HEIMAT REICHENBACH i.V. Foto: Vetter Berlin / Berlin -Werbung Berolina. 1966 - Totale von der gegenüberliegenden Straßenseite, erhöht, Stadtpanorama // (unten) Berlin, Hauptstadt der DDR - Hotel Berolina. Dick-Foto-Verlag, 9934 Erlbach i.V. 1968 - Aufnahme von der westlichen Seite, Kino International nur mit Seitenwand, Aufnahmepunkt ebenfalls erhöht, vor dem Hoteleingang: ein Reisebus
Zwei Ansichten (Ansichtskarten): (oben) Berlin – Hauptstadt der DDR – Blick zur Karl-Marx-Allee mit Hotel „Berolina“, Kino International und Mokka-Milch- und Eisbar. VEB BILD UND HEIMAT REICHENBACH i.V. Foto: Vetter Berlin / Berlin -Werbung Berolina. 1966 // (unten) Berlin, Hauptstadt der DDR – Hotel Berolina. Dick-Foto-Verlag, 9934 Erlbach i.V. 1968

Zwei Ansichten: Der Tag, die Nacht (Hotel Astoria, Leipzig, 1969/1974)

Zwei Ansichtskarten: (oben) Messestadt Leipzig - Interhotel "Astoria", Stadtrestaurant [Umbau 1958, Rolf Fricke, Industrieprojektierung Jena;  Wandgestaltung: Werner Tübke: Fünf Erdteile, 1958]. Graphokopie H. Sander KG, 1071 Berlin, 1967 /// (unten) Messestadt Leipzig - Interhotel ASTORIA, Nachttanzbar. VEB BILD UND HEIMAT REICHENBACH i.V. Foto: Dewag-Werbung, Berlin, 1974
Zwei Ansichten (Ansichtskarten): (oben) Messestadt Leipzig – Interhotel „Astoria“, Stadtrestaurant [Umbau 1958, Rolf Fricke, Industrieprojektierung Jena; Wandgestaltung: Werner Tübke: Fünf Erdteile, 1958]. Graphokopie H. Sander KG, 1071 Berlin, 1967 /// (unten) Messestadt Leipzig – Interhotel ASTORIA, Nachttanzbar. VEB BILD UND HEIMAT REICHENBACH i.V. Foto: Dewag-Werbung, Berlin, 1974

Zwei Ansichten: Leipziger Hochhäuser. (1977, 1984)

Zwei Ansichtskarten: (links) Leipzig. Karl-Marx-Universität [Hermann Henselmann, Horst Siegel, Ambros G. Gross, Helmut Ullmann, Eberhard Göschel, Volker Sieg, Rudolf Skoda, Herbert Käseberg, Klaus Kindt u.a., 1968-1975], H.C. Schmiedicke (VOB), Kunstverlag, 701 Leipzig, 1977. Farbfoto: Herbert Lachmann, Leipzig /// (rechts) Messestadt Leipzig. Hotel "Merkur" [Kajima Corporation, 1979-1981]. BILD UND HEIMAT REICHENBACH (VOGTL), 1984. Farbfoto: Viola Boden, Leipzig
Zwei Ansichten (Ansichtskarten): (links) Leipzig. Karl-Marx-Universität [Hermann Henselmann, Horst Siegel, Ambros G. Gross, Helmut Ullmann, Eberhard Göschel, Volker Sieg, Rudolf Skoda, Herbert Käseberg, Klaus Kindt u.a., 1968-1975], H.C. Schmiedicke (VOB), Kunstverlag, 701 Leipzig, 1977. Farbfoto: Herbert Lachmann, Leipzig /// (rechts) Messestadt Leipzig. Hotel „Merkur“ [Kajima Corporation, 1979-1981]. BILD UND HEIMAT REICHENBACH (VOGTL), 1984. Farbfoto: [Viola] Boden, Leipzig


Notiz zu den Karten in der FG Ostmodern

Kleine Nachmittags-Philokartie: Leipziger Hochhäuser.

Denkt man an die in die Höhe sprießende Ostmoderne, denkt man sofort, Fernsehturm sei Dank, an Berlin. Klar. Aber schaut man ins Detail, sieht man, dass Leipzig auch und vielleicht die interessantere Hochhausstadt der DDR war. Das Bankhaus Kroch und das Europahochhaus hatte man aus den 1920er Jahren übernommen. Das beeindruckende Wintergartenhochhaus ist bis heute unübersehbare Höhenmarke, wenn man aus dem Bahnhof tritt. Und dann natürlich die beiden Wuchtbrummen, einerseits das Sektionshochhaus der Karl-Marx-Universität, Henselmann’sches Bildzeichenwerk, und andererseits der Architekturimport des Hotel „Merkur“, das sich überhaupt keine Mühe mehr gab, für die Menschen der DDR da sein zu wollen. Von der Kajima Cooperation gebaut war es eine Art Insel westlichen Lebensstils im Meer genannt Deutsche Demokratische Republik und darin vergleichbar dem zeitgleich entstandenen Palasthotel, das ebenfalls ausdrücklich kein zweiter Palast der Republik sondern eine Hotel gewordene Intershop-Fantasie war. Insofern hatten Leipzig und Berlin jeweils ähnliche Polaritäten im Stadtraum, beide Male, sofern man sich in die oberen Leipziger Stockwerke begab, sogar in Sichtweite.

Die beiden Ansichtskarten sind zwar architekturfotografisch und drucktechnisch nicht gerade die Spitzenerzeugnisse der DDR-Philokartie. Dafür haben Herbert Lachmann (links) und Viola Boden (rechts) aber bemerkenswert authentisch wirkende Bilder überliefert, was unter anderem durch die automobile Aufladung der Kompositionen erreicht wird. Besonders der Karl-Marx-Platz als Parkplatz mit dafür nicht unbedingt geeignetem Belag fällt ins Auge. Hinten die Straßenbahn mit Passanten, dazwischen ein planenbespannter Barkas. Das denkbar radikal im Stil des sozialistischen Realismus an die Wand brutalisierte Bronzerelief von Frank Ruddigkeit, Rolf Kurth und Klaus Schwabe für die Karl-Marx-Universität kam aus dem Offsetdruck mehr als dunkle Idee einer Idee denn als detailliert ausgearbeitete Revolutionsverbildlichung. Und die eigentlichen stillen Herrscher dieses Platzes sind, wie so oft, die Laternen. Das Hochhaus selbst ist so überragend, dass es, wie man sieht, nicht einmal ganz aufs Bild passt.

Strahlt der Leipziger Universitätsturm in Proportion und Form noch eine gewisse Bewegung aus, tritt uns das Hotel Merkur buchstäblich als Block entgegen. Dabei ist es im Detail eigentlich eleganter, aber auch hier verhindert die Druckqualität die Würdigung der feinen Fassade. Es ist nach wie vor ein bombastisches Haus und wenn innen etwas renoviert wird, achtet man offenbar sehr sorgsam darauf, dass auch immer etwas kitschig bleibt. Das ursprüngliche Branding, das man hier und da noch an einem Türgriff oder bei der Wandgestaltung im erweiterten Foyer entdeckten kann, transportiert dagegen vereinzelt noch ganz Glanz und Eleganz der internationalen Architekturmoderne der 1970er. Das Haus ist heute ein Solitär und war’s um ’84 umso mehr – also dem Jahr, in dem BILD UND HEIMAT die Ansicht verlegte. Derart kosmopolitisch ausgelegt, hätte es fast überall auf der Welt von Tokio bis Los Angeles stehen können. Aber weder dort noch dort wäre ein derart knuffiger Trabant an seinem Fuß vorübergebraust.

(Berlin, 29.06.2020)

Zwei Ansichten: Der Eulenspiegelbrunnen in Magdeburg, circa 1980 (Farbfoto, Schwarz-Weiß)

Zwei Ansichtskarten: (oben) MAGDEBURG Am Eulenspiegelbrunnen [Heinrich Apel, 1970]. BILD UND HEIMAT REICHENBACH (VOGTL), 1982. Farbfoto: [Rudi] Stöhr, Greiz /// (unten) MAGDEBURG Am Eulenspiegelbrunnen [Heinrich Apel, 1970]. BILD UND HEIMAT REICHENBACH (VOGTL), 1980. Foto: [Rudi] Stöhr, Greiz
Zwei Ansichten (Ansichtskarten): (oben) MAGDEBURG Am Eulenspiegelbrunnen [Heinrich Apel, 1970]. BILD UND HEIMAT REICHENBACH (VOGTL), 1982. Farbfoto: [Rudi] Stöhr, Greiz /// (unten) MAGDEBURG Am Eulenspiegelbrunnen [Heinrich Apel, 1970]. BILD UND HEIMAT REICHENBACH (VOGTL), 1980. Foto: [Rudi] Stöhr, Greiz

Als der Eulenspiegelbrunnen, den der kürzlich, Anfang Juni 2020, verstorbene Bildhauer und Nationalpreisträger Heinrich Apel zur Erinnerung an den Schalk in Magdeburg aus Kalkstein geformt hatte, an einem trüben Dezembertag im Jahr 1970 eingeweiht wurde, sprudelte der Jahreszeit gemäß noch nichts. Das eulenspiegel’sche Gesäß keck dem ebenfalls neuen Zugang (Entwurf: Hermann Wolter) zu den Jahrhunderte alten Tonnengewölben entgegenstreckend, blieb die Figur zunächst einmal Skulptur und auf dem Trockenen, auch wenn man neben Eberhard Roßdeutschers allgemeinen Hauszeichen auch noch ein eisernes “WEINKELLER BUTTERGASSE” an die Wand gebracht hatte. In dieser ehemaligen Gildehalle gab es nun DDR-Spitzengastronomie (Kesselgulasch, Altmärker Landschinken) der Preisstufe S mit Zuschlag. Das Wasser des Brunnes floss schließlich ab Ostern 1971 und vielleicht nicht edle Tropfen aber die üblichen Elemente der DDR-Sommergastronomie schenkte man währende der Brunnensaison auch im Freien aus, wie uns die beiden Ansichtskarten von BILD UND HEIMAT überliefern. Spannend ist an ihnen für mich allerdings weniger das Motiv an sich, sondern dass Rudi Stöhr zwei nahezu – aber eben auch nur nahezu – identische Aufnahmen in den Druck bringen konnte. Man muss nicht einmal besonders genau schauen, um zu sehen, dass sich das Bildpersonal weitgehend wiederholt und nur Pose und Farbe ändert. Mit den beiden Karten haben wir also eine sehr schöne Vergleichsgrundlage, wie die DDR in Schwarz-Weiß und in Bunt erlebbar war. Zugleich lernen wir, wie unzuverlässig die Jahresangaben auf den Karten den Aufnahmezeitpunkt der Bilder spiegeln. Der Farbdruck wurde 1982 aufgelegt, die Schwarz-Weiß-Aufnahme bereits 1980. Es ist anzunehmen, dass die Bilder im Sommer 1979 entstanden, aber genau wüsste es vermutlich nur der Fotograf selbst. Fragen können wir ihn leider nicht mehr. Rudi Störb verstarb Ende November 2010 mit 75 Jahren im Krankenhaus seiner Heimatstadt Greiz. Für die Ostmoderne-Philokartie bleibt er natürlich, die beiden Aufnahmen aus Magdeburg zeigen es, eine prägende Figur.

(bk, 28.06.2020)